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Von der Conquista bis heute

Nicaragua liegt in Mittelamerika und ist fast doppelt so groß wie Bayern. Heute gehört es zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Die Gesamtbevölkerung beträgt 4,1 Millionen Einwohner, von denen mehr als 2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren sind.

522 eroberten spanische Truppen das Gebiet des heutigen Nicaragua und gründeten in der Pazifikregion die Städte Granada und León. Hunderttausende starben im 16. Jahrhundert durch Krieg und eingeschleppte Krankheiten oder wurden als Sklaven nach Panama und Peru verschifft. Nach der wenig ergiebigen Goldsuche verlegten sich die Conquistadoren auf Ackerbau und Viehzucht und beuteten dabei die verbliebenen Indios in Form von Zwangsarbeit und Arbeitstributen aus. 1633 landeten die Engländer an der Atlantikküste. Durch eine geschickte Bündnispolitik mit den Misquito-Indianern der Region sicherten sie sich eine Vormachtstellung gegen die Spanier.

1821 wurde Nicaragua nach Aufständen gegen Spanien unabhängig. Zwischen den Caudillos der liberalen Stadt León und der konservativen Stadt Granada entstanden blutige Machtkämpfe. Auf Seiten der Liberalen trat 185o eine US-Söldnertruppe unter Führung William Walkers in den Bürgerkrieg ein. Walker riss 1855 die Macht an sich und wurde als US-Bürger verfassungswidrig ein Jahr danach zum Staatspräsidenten gewählt. 1912 intervenierten zum ersten Mal offizielle Truppen der USA und hielten das Land bis 1933 - Ausnahme 1925/26 - besetzt. 1926 begann Augusto C. Sandino seinen Guerillakampf gegen die herrschenden Konservativen und die sie unterstützende USA.

1933 verließen die amerikanischen Truppen nach einem zermürbenden Guerillakrieg das Land. Nach dem Waffenstillstandsabkommen mit dem durch die USA eingesetzten Präsidenten Sacasa löste Sandino sein Heer auf. Kommandant der Nationalgarde wurde Anastasio Somoza, der ein Jahr später Sandino ermorden ließ. 1936 putschte sich Somoza an die Macht. Während der Diktatur des Familienclans entwickelte sich Nicaragua außenpolitisch zum treuen Verbündeten der USA, innenpolitisch - gestützt auf die Nationalgarde und US-Hilfe sowie lange Zeit geduldet von der Oligarchie - zum Inbegriff politischer Reaktion.

Wirtschaftlich wurde im Rahmen der Importsubstitution, d.h. Produktion hauptsächlich für den Export bei gleichzeitigem Import von Konsumgütern für die wohlhabende Oberschicht, die Produktion von Grundnahrungsmitteln vernachlässigt. Die Folge war ein beachtliches wirtschaftliches Wachstum zum Preis einer krassen Verschärfung der sozialen Gegensätze. Die extremen Besitzverhältnisse kontrastierten mit der Armut in der breiten Bevölkerung, aber auch eine Politik, welche Mittel- und Arbeiterschicht nicht integrierte und eine brutale Repression gegenüber den sozialreformerischen Bestrebungen führte zu einem Anwachsen der sozialrevolutionären Kräfte. 1961 gründete sich die sandinistische Befreiungsfront (FSLN), der GuerilIakrieg gegen die Diktatur Somoza begann.

Ein schweres Erdbeben zerstörte 1972 die Hauptstadt Managua fast vollständig. Die internationalen Zahlungen zum Wiederaufbau wurden größtenteils von der Somoza-Familie konfisziert. Dadurch rückte auch die katholische Kirche des Landes auf Distanz zu Somoza. Gleichzeitig verschärften sich durch die Notsituation und die damit verbundene Verhängung des Ausnahmezustandes auch die sozialen Konflikte. Nach der Ermordung des bürgerlichen Politikers Chamorro 1978 distanzierten sich immer mehr Menschen der Mittel- und Oberschicht von der Politik Somozas. Am 19. Juli 1979 wurde der Sieg der FSLN über die Diktatur verkündet, nachdem zwei Tage zuvor der Diktator in die USA geflohen war. In den achtziger Jahren erreichte die FSLN durch Alphabetisierungsprogramme (siehe Projektbeschreibung CECIM), kostenlose Schulbildung und Gesundheitsversorgung erhebliche Verbesserungen im sozialen Bereich. Die Sandinisten versuchten einen dritten Weg zwischen planwirtschaftlich organisiertem Sozialismus und marktwirtschaftlichem Kapitalismus einzuschlagen, um das Land unabhängig von den mächtigen Wirtschaftsinteressen, vor allem der USA, zu entwickeln. Die eigenständige Politik der FSLN widersprach jedoch den wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen der USA, sowie den Anhängern des ehemaligen Diktators Somozas, die weitestgehend in die USA geflüchtet waren. Die Befürchtungen wuchsen, dass Nicaragua sich zu einem sozialistischen Staat entwickeln könne. Der Konflikt mündete in einen fast zehn Jahre andauernden Bürgerkrieg, in dem die USA die regierungsfeindliche Guerilla "CONTRA" finanziell unterstützte und diese zum Teil sogar ausbildete. Nicaragua stürzte in eine soziale und ökonomische Krise, die durch ein wirtschaftliches Embargo der USA weiter verschärft wurde. Auch die Bundesrepublik Deutschland fror ihre Entwicklungsleistungen für Nicaragua ein.

Die Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung und die kriegsbedingte leere Staatskasse führten dazu, dass 1990 die FSLN eine Wahlniederlage erlitt und die Regierung an das aus 14 Parteien bestehenden Wahlbündnis "Unión Nacional Opositora" (UNO) abgeben musste. Da die USA dem neuen Parteienbündnis freundlich gesinnt waren, gelang es den Contrakrieg zu beenden.

Aufgrund der Strukturanpassungsmaßnahmen, die dem Land von Internationalen Währungsfonds (IWF) verordnet wurden, kam es jedoch zu starken Kürzungen im Sozial-, Gesundheits- und Erziehungsbereich. Die sozialen Errungenschaften der sandinistischen Regierungszeit wurden nach und nach abgebaut. Dies führte auch dazu, dass immer mehr Kinder arbeiten mussten.

Die Politik der 1996 neu gewählten Regierung "Alianza Liberal" unter dem neoliberalen Präsidenten Arnoldo Alemán kommt weitestgehend nicht der armen Bevölkerung zugute. Schon kurz nach seinem Amtsantritt verordnete er z.B. die systematische Vertreibung der Kinder von ihren Arbeitsplätzen auf den Straßen. Da gleichzeitig für die Familien dieser Kinder jedoch keine finanziellen Hilfen gewährt werden, die die Mitarbeit der Kinder überflüssig machten, stellt dies keine Lösung des Problems dar.

Heute befindet sich Nicaragua in einer extremen sozialen und ökonomischen Krise:

  • 75% der Bevölkerung lebt in Armut, darunter 43% in extremer Armut, d.h. diese: Menschen können ihre Grundbedürfnisse nicht befriedigen.
  • Die Analphabetenrate hat sich 1998 auf über 4o% erhöht
  • 60-7o% der erwerbsfähigen Bevölkerung sind arbeitslos oder unterbeschäftigt.